Gastbeitrag von Nicolás Vera Fluixá
Am 26. Februar dieses Jahres starb Francisco Wichter im Alter von 96 Jahren in Buenos Aires. Geboren wurde er am 25. Juli 1926 in Polen als Feiwel Wichter, wo er nach dem deutschen Überfall 1939 gemeinsam mit seiner Familie auf der Flucht war.

Nach der Ermordung seines Vaters durch die polnische Polizei im Jahr 1943 und der Deportation seiner Familie, war Wichter auf sich allein gestellt und kämpfte in verschiedenen Konzentrationslagern ums Überleben.
Das Schicksal brachte ihn 1944 auf die berühmte Liste des Unternehmers Oskar Schindler. Fortan arbeitete Wichter in der Munitionsfabrik in Brünnlitz im heutigen Tschechien. Oskar Schindler war Mitglied in der NSDAP und nutzte seine Fabrik, um mehr als tausend jüdische Zwangsarbeiter zu beschäftigen und sie somit vor der Deportation nach Auschwitz zu bewahren. Um dies zu ermöglichen, zahlte Schindler Bestechungsgelder an das NS-Regime.

Im Mai 1945 verkündete Schindler nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands die Freilassung all seiner Mitarbeiter. Feiwel Wichter ging daraufhin zunächst nach Krakau und später nach Rom, wo er seine zukünftige Ehefrau Hinda kennenlernte. 1947 wanderten sie gemeinsam nach Argentinien aus und ließen sich in Buenos Aires nieder, wo Wichter den Namen Francisco annahm.
Seine Erfahrungen im Holocaust teilte Wichter erst nach der Veröffentlichung des 1993 erschienenen Kinofilms „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg. Der Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Keneally basiert, wurde zum internationalen Erfolg und gewann sieben Oscars.
Zunächst erzählte Wichter seinem Sohn Enrique über seine Erlebnisse und veröffentlichte 1998 das Buch „Elftes Gebot: Zeugnis des argentinischen Überlebenden von Schindlers Liste“. In dieser Autobiografie betont Wichter auch den Wunsch, dass sich zukünftige Generationen für eine bessere Welt einsetzen.

Die Geschichte von Oskar Schindler und den Überlebenden seiner Liste ist heute ein Symbol des Widerstands und der Menschlichkeit in Zeiten der Grausamkeit. In zahlreichen argentinisch-deutschen Kulturvereinen ist der Film „Schindlers Liste“ fester Bestandteil ihrer Filmzyklen, wodurch sie die Erinnerung an den Holocaust bewahren und die demokratischen Werte fördern.

Mit dem Tod Francisco Wichters schließt sich ein bedeutendes Kapitel des 20. Jahrhunderts. Sein Zeugnis wird auch in Zukunft erhalten bleiben und ermöglicht es zukünftigen Generationen, die Gräueltaten des Holocaust aufzuarbeiten und daraus zu lernen.